Wieviele Krücken braucht die Frau?

Wieviele Krücken braucht die Frau?

Gerade höre ich in den Nachrichten, dass öffentliche Unternehmen eine Frauenquote vorgeschrieben bekommen werden, die dann Vorbildfunktion für alle Unternehmen haben soll. Anlass genug, meinen Blog ausnahmsweise dafür zu nutzen, meine persönlichen Gedanken zu dieser Thematik loszuwerden.

Gedanke Nummer 1: Dank an alle Frauenrechtlerinnen!
Liebe Frauenrechtlerinnen, ich bin überzeugt davon, dass wir Euch nötig hatten und dass Ihr tolle Arbeit geleistet habt. Euer Ziel war - so habe jedenfalls ich es verstanden - Chancengleichheit für Mann und Frau. Um das zu erreichen, habt Ihr uns Frauen Hilfsmittel besorgt, man könnte sie auch Krücken nennen. Krücken, um mit den Männern Schritt halten zu können.

Gedanke Nummer 2: Jetzt müssen wir uns von den Krücken lösen!
Wenn jemand körperlich beeinträchtigt ist, sind Krücken ein geegnetes Mittel, sich dennoch fortbewegen zu können und die eigene Einschränkung gering zu halten. Bei Verletzungen ist uns klar, dass Krücken maximal eine mittelfristige Unterstütung sind. Um langfristig wieder auf die eigenen Beine zu kommen, muss man Anstrengungen machen, die Krücken loszuwerden. Mir kommt vor, in der Frauenbewegung gibt es sehr viele Krücken (Frauenministerium, Wiedereinsteigerinnenunterstützung, Frau in der Wirtschaft, Frauennetzwerke, etc.) Wann gehen wir endlich aufrecht und ohne Hilfsmittel?

Gedanke Nummer 3: Krücken suggerieren Schwäche
Ich bin überzeugt davon, dass Frauen und Männer erst dann wirklich Chancengleichheit besitzen, wenn kein Geschlecht ständig durch Krücken unterstützt wird. Denn: Uns Frauen suggerieren die Krücken, dass wir sie brauchen, um mit den Männern Schritt halten zu können. Und den Männern suggerieren sie auch, dass wir sie nötig haben! Wie sollen die Männer so die Frauen je als gleichwertige und vollwertige Partner sehen? Und noch eine Frage: Die vielen Mittel, die aktiviert werden, um die oben genannten Krücken zu installieren und zu erhalten, diese Mittel müssen von Männern freigegeben werden, weil es in den entsprechenden Machtpositionen kaum Frauen gibt. Warum tun die Männer das? Wenn sie erwarten würden, an ihrer Machtposition weitere Konkurrenz zu bekommen, würden sie das mit Sicherheit unterlassen.

Gedanke Nummer 4: Vermitteln wir Sicherheit, dann klappt's auch ohne Krücken.
Schauen Sie sich so ein Management Board einmal an. Bildet es in irgendeiner Form die Vielfalt in unserer Gesellschaft ab? Nein, die Tendenz ist eindeutig eintönig: Lauter Männer in ähnlichem Alter mit ähnlicher Frisur und ähnlichen dunklen Anzügen. Kaum Frauen, kaum Künstlertypen, kaum Rassenunterschiede. Und weshalb? Stellen Sie sich mal vor, Sie haben in einem Unternehmen ziemlich viel zu sagen und damit auch viel Verantwortung. Sie wissen aber genau, dass Sie Ihre Ideen und Vorstellungen nicht alleine umsetzen können. Sie brauchen also Mitarbeiter, denen Sie zutrauen, in Ihrem Sinne zu handeln. Am liebsten würden Sie sich selbst klonen, um alle Fäden richtig ziehen zu können. Und genau das ist es, was in den Firmen bei der Besetzung wichtiger Stellen passiert: Die Entscheidungsträger suchen sich Mitarbeiter, die ihnen besonders ähnlich sind, weil ihnen das die Sicherheit vermittelt, dass man mit den gleichen Vorstellungen an den gleichen Zielen arbeitet. 

Gedanke Nummer 5: Die Frauenquote wird uns wahrscheinlich mehr schaden als nützen.
Wie wir nicht nur aus dem Marketing wissen, geistert jede schlechte Nachricht sehr lange durch die Köpfe (wie zB beim Elchtest der A-Klasse, an den können sich auch nach über 10 Jahren noch immer die meisten erinnern), und ist mit guten Nachrichten fast nicht aufzuwiegen. Die Gefahr ist groß, dass minderqualifizierte Frauen an exponierte Stellen kommen und dort an prominenter Stelle Fehler machen. Wer unsere Medienwelt kennt, weiß, wie schnell solche Fehler aufgebauscht und nicht mehr nur der Person sondern der Quotenregelung angelastet werden. Zu erwarten sind in diesem Falle Interviews mit oppositionellen Politikern, die meinen, sie hätten immer schon gewusst, dass Frauen an solchen Stellen überfordert sind.

Gedanke Nummer 6: Frauenkrücken in Familienunterstützung umwandeln.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin nicht dafür, die ganzen Ressourcen und Kompetenzen, die zur Unterstützung der Frauen aufgebaut wurden, einfach abzuschaffen. Ich bin überzeugt, dass diese sehr dringend gebraucht werden, aber nicht, um einem Teil der Gesellschaft sondern ALLEN zugute zu kommen. Fragen Sie einmal Männer in Ihrem Umkreis, wie es für sie ist/wäre, einen Teil der Kindererziehung zu übernehmen. Die wenigsten Arbeitgeber akzeptieren höher qualifizierte Teilzeitarbeit. In einer idealen Welt können Mann und Frau sich entscheiden, wer wieviel arbeiten geht und wer wann seine Zeit damit aufwändet, die Kinder großzuziehen. Wenn beispielsweise ab dem Kindergartenalter beide zu 75 % arbeiten, ist eine Einteilung möglich, die ohne Fremdbetreuung auskommt. Kinder würden auch ihre Väter im Alltag erleben - und umgekehrt. Mütter könnten mit bestem Gewissen arbeiten gehen. Die ganze Familiensitation wäre ausgewogen und entspannter. Familien bräuchten auch nicht so viel Kinderbetreuungsplätze. Und: DAS wäre die gelebte GLEICHBERECHTIGUNG, wie es sich unsere geschätzten Frauenrechtlerinnen einmal zum Ziel gemacht haben!

MEIN FAZIT:
Vergessen wir dieses Frauen-gegen-Männer-Theater. Lasst uns einen Weg finden, wie wir die ganzen Krücken für Frauen abbauen können. Das würde dem weiblichen Selbstbewusstsein unglaublich gut tun. Und dem Frauenbild der Männer gleich mit. Denn, wenn die Frauen der Meinung sind, keine Krücken mehr zu brauchen, um mit den Männern mithalten zu können, dann sind die Frauen auch dort, wo ihnen niemand helfen kann, selbstbewusster und erfolgreicher: bei ihren Gehaltsverhandlungen. Damit würde sich die Einkommensschere auf natürlichem Wege nachhaltig schließen, und wir kämen dem ursprünglichen Ziel wiederum deutlich näher: der Chancengleichheit. 

Und vergessen wir nicht:
Um wieviele Jobs geht es in Österreich bei dieser Frauenquote für das Topmanagement? Einhundert, zweihundert? Mehr sind es auch bei sehr großzügiger Berechnung sicher nicht. Die Gefahr, dass dieser Versuch die gesamte öffentliche Meinung über weibliche, berufliche Fähigkeiten beeinflusst, schätze ich jedoch als relativ hoch ein. Tun wir doch lieber das, was uns allen etwas bringt. Den Frauen mehr Selbstbewusstsein im beruflichen Leben und dadurch mehr Einkommen. Die Männer werden in ihrer Ernährerrolle entlastet und gewinnen dadurch mehr Möglichkeiten, zB indem sie sich am Heranwachsen der Kinder mehr beteiligen. Und die Kinder? Die hätten ihre eigenen Eltern als Bezugspersonen. Wir haben alle etwas davon, wenn wir uns von der Meinung lösen, dass Frauen Unterstützung benötigen!