Impulsvortrag "Als Frau im Unternehmen - kraftvoll, selbstbewusst und wirksam"

Impulsvortrag "Als Frau im Unternehmen - kraftvoll, selbstbewusst und wirksam"

Bildquelle: www.facebook.com/mittelstandsexpertin

Gestern besuchte ich den Impulsvortrag "Als Frau im Unternehmen - kraftvoll, selbstbewusst und wirksam" gehalten von Sabine Rohrmoser (Website Sabine Rohrmoser) und gesponsert von Frau in der Wirtschaft (Website Frau in der Wirtschaft Vorarlberg). Gerne lasse ich Sie daran teilhaben, was ich mitnehmen konnte:

INHALT

Frauen bewegen sich im Unternehmen im Dynamik-Dreieck zwischen der eigenen Person, dem Führen des Teams und den organisationalen Dynamiken. Dabei sind sie davon geprägt, wie man sie als Kind behandelt bzw. gesehen hat, in der Regel nämlich, dass sie nie gut genug sind. Daraus ergibt sich:

  • ein geringes Selbstwertgefühl
  • ein Hang zu übertriebenem Perfektionismus
  • Learning BEFORE the Job anstelle von Learning ON the Job, wie es Männer gerne machen
  • Fokus auf das, was man NICHT kann

Frauen pendeln demzufolge zwischen der eigenen Minderwertigkeit und dem Wunsch nach Grandiosität hin und her. Hier habe ich die drei Tipps von Frau Rohrmoser gesammelt, die mir am wichtigsten erschienen:

  • Achten Sie auf Ihren inneren Dialog! Seien Sie gnädig mit sich selbst! Behandeln Sie sich nicht schlechter als Ihre beste Freundin.
  • Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie können, und trauen Sie sich zu, den Rest auch noch zu lernen!
  • Sehen Sie das Gute am vermeintlich Schlechten! Personalisieren Sie ein Problem, und überlegen Sie sich, was Sie mit dieser Person gerne machen würden.
  • Schaffen Sie sich mentale Modelle: Wer ein Leben lang hört, er ist ein Glückspilz, hat seine Glücksvision, wird im Leben die Glücksmomente herausfiltern und sich bestätigt fühlen. (Anm.: vergleiche Resonanzprinzip)

FAZIT

Ich nehme mir die Tipps zu Herzen und formuliere mein Fazit dementsprechend:

Ein toller, mitreissender Vortrag! Oft konnte ich mich in Frau Rohrmoser hineinversetzen. Ihre Präsentation und die begleitenden Marketingaktivitäten (zB Flyer, Überreichung von Blumen an alle Teilnehmerinnen) sind ansprechend gestylt und gut durchdacht. Sehr sympathisch fand ich, dass sie ihren eigenen hohen Perfektionsanspruch auch nicht immer erfüllen konnte, als die Vorführung eines Videos nicht klappte. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem allem, was perfekt umgesetzt wurde!

Ich persönlich habe allerdings wenig mit der skizzierten Rolle der Frau im Unternehmen gemeinsam. Einerseits bin ich offenbar nicht als typisches Mädchen aufgewachsen. Mir wurde viel erklärt und zugetraut, und in der Folge wurde auch einiges von mir gefordert. Ich wurde hin und wieder gelobt, und am Abend war man zufrieden mit dem, was man (gemeinsam) geschafft hat. Andererseits bin ich selbständig und damit nicht gezwungen, mich in einer Hierarchie zurechtzufinden. Generell tue ich mir schwer mit der Verallgemeinerung, was Frauen machen und was Männer machen. Es gibt sicher Typen, die die angesprochenen Bilder erfüllen, aber ich beziehe das aufgrund meiner eigenen Geschichte weniger gerne auf Geschlechter. 

Ein Thema, das ich ganz anders sehe als Frau Rohrmoser ist Macht. Sie ging offenbar davon aus, dass das Publikum dazu animiert werden muss, Macht zu erstreben und auszuüben. Das ist meiner Meinung nach nur ein Aspekt. Mit Macht muss man vorsichtig umgehen, das zeigt nicht nur die grade überstandene Finanzkrise. Diesem Thema sind die paar Folien nicht gerecht geworden.

VERGLEICH MIT MEINER PRAXIS

Bei meiner Arbeit erlebe ich oft die angesprochenen Auswirkungen dieser fokussierten Wahrnehmung bzw. der mentalen Modelle. Um das bei sich selber zu entdecken, gibt es Signalformulierungen, etwa wie "Wie oft muss ich das gleiche sagen?" oder "Mitarbeiter xy macht schon wieder ..."  Allen, die solche Signalformulierungen entdecken, gebe ich den Tipp, sich folgende Fragen zu stellen:

  • Besteht vielleicht eine negative Erwartungshaltung, auf deren Erfüllung Sie sich so konzentrieren, dass Sie die positiven Dinge gar nicht mehr sehen können (so ähnlich wie den Gorilla im von Frau Rohrmoser gezeigten Film)? Das würde bedeuten, dass dieser Mitarbeiter es ihnen gar nicht recht machen kann!
  • Oder haben Sie vielleicht die Anforderungen nicht klar definiert? Frau Rohrmoser formuliert dies so: Erfüllen Sie Ihre Rolle als Führungskraft! Sagen Sie möglichst genau, was sie wie haben wollen, sonst entscheidet sich das außerhalb Ihres Einflussbereiches.
  • Oder gibt es grundsätzliche aufbau- bzw. ablauforganisatorische Lücken, die es anzusprechen und zu verbessern gilt? Genau wie Frau Rohrmoser bin ich auch der Meinung, dass es hier eine große Hilfe ist, sich jemand Externen zu holen. Wer selber Teil des Systems ist, sieht oft den Wald vor lauter Bäumen nicht.

In einigen Themen habe ich die Erkenntnisse aus meinen 15 Jahren Organisationsentwickungserfahrungen wiedererkannt und mich bestätigt gefühlt (ein positives mentales Modell). Dazu kamen einige gute Anregungen und Denkanstöße; mein Anspruch, etwas Neues zu erfahren hat sich also auch bestätigt. Ziel erreicht! Für mich war es ein wertvoller Abend! Danke, liebe Frau Rohrmoser und Frau in der Wirtschaft!